Fenstermotive

 
Stiftungen
 
 
 
Einige Familien aus Gaggenau und die Gemeinde Rotenfels stifteten die Kirchenfenster, die im Zuge des Wiederaufbaus der Markuskirche nach dem Krieg gestaltet wurden.

15 Fenster enthalten jeweils ein Motiv.
 
Die Fenstermotive im Kirchenschiff: die 4 Evangelisten sind paarweise angeordnet; jeweils im mittleren Fenster befinden sich die Symbole Schwert und Schlüssel einander gegenüber: 
Löwe         = Markus 
Adler         = Johannes
Schwert     = Paulus / weltliches Regiment
Schlüssel   = Petrus / geistliches Regiment  (Schlüsselgewalt)
Engel         = Matthäus
Stier          = Lukas
„ELSA“ (Engel – Löwe – Stier – Adler) ist ein Kürzel, um sich die Reihenfolge der Evangelisten bzw. Symbole zu merken.
 
 
der Löwe
ist Symbol des Evangelisten Markus:
Der Löwe, der mit dem Schweif seine Spuren verwischt, ist Sinnbild für die geheimnisvolle Herkunft Jesu, die Menschwerdung Gottes.
Im Markusevangelium ist das Geheimnis der Person Jesu in besonderer Weise betont.
 
der Adler
als Symbol für die geistige Kraft der Heiligen Schrift steht für das Johannes-
evangelium:
Dies Evangelium ist am deutlichsten an theologischer Interpretation interessiert, weniger an den bloßen Tatsachen.
 
Das Schwert
kennzeichnet wohl den Apostel Paulus:
es erinnert an Saulus, den Christenverfolger, der sich zum streitbaren Verfechter des neuen christlichen Glaubens wandel. 
 
Paulus verdanken wir die Gründung der ersten „heidenchristlichen“ Gemeinden. 
 
Der Schlüssel
bezeichnet den Jünger und Apostel Petrus, dem Kopf der Jerusalemer Urgemeinde, dem Jesus nach der Überlieferung des Evangeliums stellvertretend für alle Jünger die „Schlüsselgewalt“, also die geistliche Gewalt anvertraut: „Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.“                            (Matthäusevangelium Kapitel 16 Vers 19)
 
Der Engel
steht für den Evangelisten Matthäus 
(das erste Evangelium unter den vier neutestamentlichen Evangelien), weil in der Geburtsgeschichte Jesu nach Matthäus Engel eine herausragende Rolle spielen: Ein Engel kündigt dem Josef im Traum die Geburt Jesus an, ein Engel warnt ihn nach der Geburt des Kindes vor Herodes und weist ihn an, mit Maria und Jesus nach Ägypten zu fliehen, wiederum ist es ein Engel, der Josef in Ägypten anzeigt, dass er mit der Familie in die Heimat zurückkehren kann.
 
Der Stier
ist wichtiges Opfertier im Tempelkult des Alten Testaments, kennzeichnet Lukas:
 
sein Evangelium beginnt mit dem Opfer, das Zacharias Gott darbringt. 
 
Die Symbole Schlüssel und Schwert lassen sich auch als Zeichen für die weltliche und geistliche Gewalt deuten: Gott regiert nach der lutherischen „Zwei-Reiche-Lehre“ die Welt mit zwei Händen: mit der einen Hand durch das „weltliche Regiment“, also durch Rechtsprechung, Strafe, Gewalt zur Aufrechterhaltung der weltlichen Ordnung, mit der andern Hand durch das „geistliche Regiment“: durch Christus zur Erlösung der Menschen durch sein Wort und Sakrament. Es ist sinnig, dass die beiden Symbole sich im Kirchenschiff befinden, wo die Christen sitzen: sie sind Bürger sowohl des Reiches Gottes als auch des weltlichen Staates und im Kirchenraum ist sinnlich nachvollziehbar, dass dies manchmal zu einem spannungsvollen  Spannungsverhältnis führt.